Eine Betriebsübergabe bringt viele Fragen gleichzeitig auf den Tisch. Was soll bleiben? Wo braucht der Betrieb ein klareres Profil? Und wie kann das Team den Übergang mittragen?
Dieses anonymisierte Praxisbeispiel führt nach Osnabrück zu einer Möbeltischlerei mit Schwerpunkt Innenausbau. Die Beratung fand 2020 im Rahmen von unternehmensWert:Mensch (uWM) statt, dem Vorläuferprogramm von INQA-CoachingEin staatlich gefördertes Coaching-Programm, mit dem kleine und mittlere Unternehmen ihre Arbeitsorganisation gemeinsam mit den Beschäftigten weiterentwickeln.. Die Inhalte und Methoden sind im heutigen INQA-Coaching genauso relevant.
Die Ausgangslage in Osnabrück
Zum Betrieb gehörten der Inhaber, ein Meister, drei Gesellen, eine Auszubildende und ein Mitarbeiter im Büro. Geplant war die Übergabe an einen der beiden Meister.
Das Angebot war bis dahin sehr breit. Die Haltung lautete: "Wir machen alles." Für die Übergabe sollte klarer werden, welche Arbeiten tatsächlich zu den Kompetenzen im Team und zu den Wünschen der Mitarbeitenden passten.
Der künftige Inhaber wollte den bestehenden Firmennamen zunächst unbedingt behalten. Er hatte Sorge, dass Bestandskunden bei einer Umbenennung abspringen könnten. Diese Frage blieb im Prozess präsent, bekam am Ende aber eine andere Antwort als erwartet.
Zehn Beratertage mit der gesamten Mannschaft
Die Beratung umfasste zehn Beratertage vor Ort in Osnabrück. Beim Kick-off, in Workshops und in Team-Besprechungen arbeitete die gesamte Mannschaft an den Themen.
Das Vorgehen war agil. Zunächst sammelten alle Beteiligten die Abläufe und Aufgaben, die im Betrieb anfielen. Danach wurden diese neu gebündelt und Zuständigkeiten sichtbar gemacht. Einsatzpläne und ein verlässlicher Rahmen für regelmäßige Mitarbeitergespräche kamen hinzu.
Entscheidend war die Nähe zum Arbeitsalltag. Das Angebot wurde an den tatsächlichen Kompetenzen und den Wunscharbeiten der Mitarbeitenden ausgerichtet. Ein Teil der neuen Prozesse wurde vom Team selbstständig angestoßen, ohne dass die Geschäftsführung jeden Schritt vorgeben musste.
Der Vorschlag zur Namensänderung kam aus dem Team
Im Verlauf der Workshops schlug das Team selbst eine Namensänderung vor. Der künftige Inhaber reagierte zunächst zurückhaltend. Seine Sorge um die Bestandskunden war weiterhin da.
Dann stimmte er zu. In diesem Moment veränderte sich die Stimmung spürbar. Der Zusammenhalt bekam eine andere Grundlage. Aus "der Betrieb, den ich übernehme" wurde "mein Unternehmen".
Aus der Entscheidung entstand ein neues Branding mit überarbeiteter Außendarstellung. Der Betrieb wollte mit mehr Vertrauen und Klarheit auf den FachkräftemangelEine Situation, in der Unternehmen für benötigte Qualifikationen dauerhaft nicht genügend passend ausgebildete Beschäftigte finden. reagieren. Später zog er zusätzlich nach Georgsmarienhütte um, um sich vollständig von der alten Marke zu lösen.
Was die Beratung für den Alltag verändert hat
Die neue Struktur half dabei, Aufgaben und Verantwortlichkeiten greifbarer zu machen. Das Team konnte eigene Beobachtungen in die Abläufe einbringen und Veränderungen selbst anstoßen. Regelmäßige Mitarbeitergespräche gaben Themen einen festen Platz.
Für eine Betriebsübergabe bedeutet das: Der künftige Inhaber übernimmt eine Organisation, in der Zuständigkeiten besprochen und Arbeitsweisen gemeinsam entwickelt wurden. Das schafft eine bessere Grundlage für Entscheidungen, die im Alltag tragen müssen.
Teamentwicklung kann dabei helfen, Rollen, Erwartungen und Zusammenarbeit früh zu klären. Wie solche Prozesse begleitet werden können, liest Du auf der Seite zu Teamentwicklung und Führung.
uWM im Jahr 2020 und INQA-Coaching heute
Diese Beratung lief 2020 noch unter unternehmensWert:Mensch. Heute ist INQA-Coaching das Nachfolgeprogramm. Wenn Du für einen ähnlichen Veränderungsprozess nach einer passenden INQA Förderung und dem aktuellen Ablauf suchst, findest Du dort die aktuellen Informationen zu Voraussetzungen, Umfang und Antrag.
Die Arbeitsweise bleibt anschlussfähig: Mitarbeitende werden früh beteiligt, konkrete Abläufe werden gemeinsam betrachtet und neue Lösungen werden im Alltag erprobt.
Selbstcheck: Steht dein Handwerksbetrieb vor einer ähnlichen Weichenstellung?
Beantworte die sechs Fragen mit Ja oder Nein. Der Check vergibt keine Punktzahl. Er ordnet Deine Antworten einem thematischen Ansatzpunkt zu, damit Du erkennst, ob Dein Leistungsangebot, Deine Abläufe oder die Teambeteiligung zuerst Aufmerksamkeit brauchen.
Selbstcheck Steht Dein Handwerksbetrieb vor einer ähnlichen Weichenstellung? Bietet Dein Betrieb weiterhin fast alles an, obwohl bestimmte Arbeiten besser zu den Kompetenzen im Team passen? Steht eine Betriebsübergabe bevor, ohne dass Rollen, Entscheidungswege und nächste Schritte gemeinsam geklärt sind? Werden Zuständigkeiten und Einsatzpläne oft spontan statt nach einer klaren Absprache festgelegt? Finden Mitarbeitergespräche selten oder nur zwischen Tür und Angel statt? Kommt Dein Team bei Veränderungen erst spät zu Wort oder wartet auf Vorgaben? Zeigt Deine Außendarstellung noch nicht klar, wofür Dein Betrieb steht und welche Fachkräfte Du suchst?
Fazit
Die wichtigste Veränderung begann mit einer Idee aus dem Team: der Vorschlag, den Firmennamen zu ändern. Als der künftige Inhaber zustimmte, wurde aus der geplanten Übergabe ein gemeinsames Vorhaben. Genau solche Momente können in einer beteiligungsorientierten Beratung entstehen, wenn Abläufe, Angebot und Zukunft gemeinsam besprochen werden.