Nicole Führing
← Alle Beiträge
Nicole Führing, Autorin des Beitrags

Von Nicole Führing

Unternehmensberaterin, Coach & Trainerin

Case Studies

Case Study: Wie eine Naturheilpraxis ihre Verwaltung Schritt für Schritt digitalisiert – ohne sich zu überfordern

Anonymisierte Case Study: Wie eine kleine Naturheilpraxis mit einer BAFA-Unternehmensberatung ihre Verwaltung digitalisiert – mit einem hybriden Rechnungsprozess, einer Monats-Checkliste und ohne vorschnellen Softwarewechsel.

„Wir brauchen Ihre Belege künftig digital.“ Mit diesem Satz der Steuerberaterin begann für eine kleine, inhabergeführte Naturheilpraxis in der Region ein Thema, das die Inhaberin lieber noch eine Weile vor sich hergeschoben hätte. Anonymisiert erzähle ich hier, wie wir im Rahmen einer BAFADas Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, das unter anderem geförderte Unternehmensberatungen verwaltet.-Unternehmensberatung eine tragfähige Grundlage für die Digitalisierung der Praxisverwaltung geschaffen haben – und warum am Ende bewusst nicht alles sofort digital wurde.

Die Ausgangslage

Die Praxis wird von der Inhaberin allein geführt. Neben der therapeutischen Arbeit erledigt sie Terminorganisation, Rechnungsstellung, Ablage und die vorbereitende Buchhaltung selbst. Die Büroorganisation funktionierte – aber überwiegend analog bzw. nur teilweise digital.

Gleich zu Beginn sagte die Inhaberin offen, dass Digitalisierung nicht zu ihren Stärken gehört und sie sich in diesem Bereich unsicher fühlt. Dazu kamen zwei Besonderheiten: Die Praxis arbeitet mit sensiblen Gesundheitsdaten, und ein Teil der Patientinnen und Patienten ist älter und mit digitalen Rechnungen nicht unbedingt vertraut. Eine rein technische Lösung „von der Stange“ kam deshalb nicht infrage.

Das Vorgehen

Die Beratung umfasste einen Beratertag, aufgeteilt in vier Einheiten à zwei Stunden. Dieses Format hat sich bewusst bewährt: Zwischen den Terminen blieb Zeit, Fragen beim Softwareanbieter zu klären und Informationen in Ruhe zu sortieren.

Inhaltlich sind wir in dieser Reihenfolge vorgegangen:

  1. Anforderungen der Steuerberaterin klären: Welche Unterlagen sollen künftig digital kommen – und in welcher Form?
  2. Die vorhandene Praxissoftware prüfen: Was kann sie bereits, welche Module lassen sich zubuchen, welche Exportmöglichkeiten gibt es?
  3. Alternativen recherchieren – nicht, um vorschnell zu wechseln, sondern um zu prüfen, ob ein Wechsel einen echten Mehrwert hätte.
  4. Banklösungen und digitale Kontoauszüge betrachten, inklusive Kontoführungskosten und Übergabe an die Steuerberatung.
  5. Alles zu einem realistischen Ablauf für den Praxisalltag zusammenführen.

Der Wendepunkt

Die ursprüngliche Hoffnung war eine durchgängig digitale Lösung: Rechnung schreiben, verschlüsselt verschicken, automatisch an die Buchhaltung übergeben – fertig. Die Rückmeldung des Softwareanbieters zeigte dann, dass genau diese direkte, verschlüsselte Rechnungsübertragung derzeit nicht möglich ist. Die Übergabe an die Steuerberatung funktioniert zwar über einen Export, setzt aber eine passende Nutzung und Struktur voraus.

Statt das als Rückschlag zu werten, haben wir die Perspektive gedreht: Was wäre eigentlich die beste Lösung für genau diese Praxis? Die Antwort war ein hybrider Weg – digital dort, wo es zuverlässig funktioniert und entlastet, klassisch dort, wo Patientinnen und Patienten mit digitalen Rechnungen unsicher wären. Ein Softwarewechsel hätte dagegen neue Komplexität, Einarbeitung und Risiken bei der Datenübernahme bedeutet – und wurde deshalb ausdrücklich nicht empfohlen.

Was dabei herauskam

  • Klarheit statt Überforderung: Die Anforderungen der Steuerberaterin sind jetzt verständlich eingeordnet. Die Inhaberin weiß, welche Unterlagen künftig digital übergeben werden und welche Prozesse davon betroffen sind.
  • Bestehende Software gezielt ausschöpfen: Die vorhandene Praxissoftware bleibt das zentrale System. Nächster Schritt ist ein Webinar zum Buchhaltungsmodul und ein Testexport, den die Steuerberaterin prüft, bevor der Ablauf zum Standard wird.
  • Digitaler Rechnungsversand im Testbetrieb: Zunächst nur mit ausgewählten Patientinnen und Patienten, nach vorheriger Abstimmung des bevorzugten Versandwegs. Erst wenn Darstellung, Absenderangaben und Verständlichkeit stimmen, wird ausgeweitet – denn eine Rechnung, die wie Phishing aussieht, kostet Vertrauen.
  • Bankthema als lösbarer Baustein: Eine Banklösung mit digitalen Kontoauszügen kann laufende Kosten senken und die Übergabe an die Steuerberatung vereinfachen. Gewechselt wird aber erst, wenn alle Lastschriften und laufenden Zahlungen geklärt sind.
  • Eine Monats-Checkliste: Acht feste Schritte – von der Rechnungsprüfung über Kontoauszüge und Datenexport bis zur Übergabe an die Steuerberaterin. So muss die Digitalisierung nicht jeden Monat neu durchdacht werden.
  • Ein Prüfraster für jede neue Lösung: Spart sie wirklich Zeit? Ist sie verständlich nutzbar? Sind Patientendaten ausreichend geschützt? Akzeptiert die Steuerberaterin das Format? Erst wenn diese Fragen positiv beantwortet sind, wird eine Lösung eingeführt.
  • Ein erster praktischer Schritt: Die Einrichtung eines strukturierten E-Mail-Programms wurde bereits während der Beratung umgesetzt.

Praxis-Checkliste Welche Prüfpunkte sind für Deine nächste digitale Lösung bereits geklärt?

Gut zu wissen für Heilberufe

Bei Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern gelten in der BAFA-Unternehmensberatung besondere Förderbedingungen: Förderfähig sind hier nur Beratungen, deren Inhalt die Einführung oder Anpassung eines Qualitätssicherungssystems ist. Wer aus einem Heilberuf kommt, sollte deshalb vor Beratungsbeginn genau prüfen, wie das Beratungsthema zugeschnitten wird – und den Bewilligungsbescheid samt aller Begleitschreiben vollständig mit der Beraterin teilen. Genau dabei unterstütze ich im Vorgespräch.

Fazit

Digitalisierung entlastet nur dann, wenn sie technisch funktioniert und für die Menschen, die sie nutzen, verständlich bleibt. In dieser Praxis bestand der größte Fortschritt nicht in einem neuen Tool, sondern in einer klaren Entscheidungsgrundlage: Was bleibt, was wird getestet, was kommt später – und in welcher Reihenfolge. Wenn auch Du vor einer Umstellung stehst, die Dir über den Kopf zu wachsen droht: In der BAFA-geförderten Unternehmensberatung lässt sich genau das strukturiert angehen.

Nächster Schritt

Du möchtest dieses Thema auf Dein Unternehmen übertragen?

Lass uns Deine Situation und einen sinnvollen nächsten Schritt persönlich sortieren.