Nach einem Projekt folgt oft sofort das nächste. Offene Rechnungen, Supportfragen und neue Angebote lassen wenig Raum für Rückblick. Damit gehen wertvolle Erkenntnisse verloren – und dieselben Probleme tauchen erneut auf.
Eine Retrospektive braucht kein Team. Gerade als Soloentwickler profitierst Du von einem festen Rahmen, der Selbstkritik durch sachliche Auswertung ersetzt.
Einen klaren Zeitpunkt setzen
Plane die Retrospektive direkt bei Projektabschluss oder nach dem ersten stabilen Betriebszeitraum. Reserviere 60 bis 90 Minuten und sammle vorher Fakten: Angebot, Änderungsentscheidungen, Zeitaufwand, Feedback und wichtige technische Ereignisse.
Vier Bereiche auswerten
Ergebnis
Wurde das eigentliche Kundenziel erreicht? Welche Funktion stiftet den größten Nutzen? Was wurde gebaut, aber kaum gebraucht?
Zusammenarbeit
Waren Anforderungen, Entscheidungen und Abnahmen klar? Wo entstanden Wartezeiten oder unbezahlte Zusatzschleifen? Der Beitrag Scope Creep stoppen hilft bei der Einordnung.
Technik
Welche Entscheidungen haben Wartbarkeit und Lieferung erleichtert? Wo wurden Risiken verschoben? Welche Tests oder Dokumentation fehlten?
Energie
Wann warst Du konzentriert und handlungsfähig? Welche Situationen führten zu Druck, Aufschieben oder übermäßiger Erreichbarkeit? Diese Perspektive entscheidet mit darüber, ob Dein Geschäftsmodell langfristig trägt.
Fakten von Geschichten trennen
Schreibe zunächst beobachtbare Ereignisse auf. Erst danach interpretierst Du. „Der Kunde hat dreimal nach dem Status gefragt“ ist eine Beobachtung. „Der Kunde vertraut mir nicht“ ist eine Deutung. Diese Trennung eröffnet mehr Handlungsoptionen.
Drei konkrete Änderungen wählen
Eine lange Liste bleibt liegen. Entscheide Dich für höchstens drei Verbesserungen, zum Beispiel:
- Angebote künftig persönlich durchgehen,
- Abnahmekriterien vor Entwicklungsstart festhalten,
- einen festen Qualitätsblock vor Releases planen,
- Support und Notfälle vertraglich klarer regeln.
Übertrage diese Punkte sofort in Vorlagen oder Checklisten.
Eine zweite Perspektive nutzen
Allein übersiehst Du leicht die eigenen Annahmen. Im Sparring kannst Du Entscheidungen erklären, Muster prüfen und aus einem diffusen Gefühl eine klare nächste Regel machen. Der Wert regelmäßiger Begleitung wird unter Kontinuierliche Unterstützung im Softwareprojekt beschrieben.
Fazit
Eine Solo-Retrospektive verwandelt Projekterfahrung in bessere Entscheidungen. Mit meinem 1:1 Sparring musst Du diese Auswertung nicht im eigenen Gedankenkreis allein durchführen.